RECYCLING VON ELEKTROSCHROTT SO FUNKTIONIERTS

Shares 0

Recycling von Elektroschrott: So funktioniert die Verwertung

Elektroschrott landet häufiger im Müll als auf dem Wertstoffhof. Hausmüll wird in Deutschland fast immer verbrannt. Viele wertvolle Rohstoffe gehen dadurch verloren. Und die Umwelt belastet das auch.

Die Deutschen gelten als Weltmeister im Sortieren von Müll. Altglas und Altpapier trennen sie mit viel Engagement zu mehr als 80 Prozent vom Restmüll. Bei Elektroschrott fällt die Quote jedoch stark ab. Schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Tonnen ausrangierter Fernseher, Computer, Drucker, Handys, Waschmaschinen und Haartrockner fallen jedes Jahr in Deutschland an. Nur knapp 700 000 Tonnen davon gingen 2008 laut Bundesumweltministerium an einen Wertstoffhof – das sind nur um die 40 Prozent.

Ergiebiger als eine Goldmine
Der Rest landet überwiegend im Haus- und Sperrmüll. Vor allem Kleingeräte wie Rasierapparate, Handys und Energiesparlampen wandern in die graue Tonne – oder werden einfach zuhause gehortet. Rund 72 Millionen ausgediente Mobilfunktelefone schlummern in deutschen Schubladen. Das teilte der Branchenverband Bitkom Ende 2010 mit.

Mittlerweile dürfte dieser Berg aus Telefonen noch ein wenig größer geworden sein – und kostbarer.

Handys enthalten Gold, Silber und Kupfer sowie eine ganze Reihe äußerst seltener Metalle wie zum Beispiel Neodym, Palladium und Tantal. Wichtige Rohstoffe, die sich zum größten Teil wiedergewinnen lassen. Und das nicht zu knapp: Eine Tonne alter Handys bringt etwa 250 Gramm Gold auf die Waage. Zum Vergleich: Eine Tonne Erzgestein einer sehr ergiebigen Goldmine kommt gerade mal auf 5 Gramm.

Allein das Gold der 72 Millionen deutschen Schubladenhandys hat einen aktuellen Marktwert von rund 75 Millionen Euro.

Auch viel Gift im Elektroschrott
Hausmüll wird heute in der Regel verbrannt. Darin enthaltener Elektroschrott wird nur grob aussortiert. Wertvolle Rohstoffe gehen so verloren. Aber nicht nur das: Es steckt auch viel Gift im Elektroschrott, etwa Blei und Kadmium in Akkus, Quecksilber in Leuchtstofflampen, Flammschutzmittel in Kunststoffen. Werden diese Stoffe verbrannt, entstehen Schwermetalldämpfe, Dioxine und Furane – ein toxischer Mix, den trotz Abgasreinigung kaum ein Müllofen herausfiltern kann. Daher ist es verboten, Elektroschrott in die graue Tonne zu werfen. Das Gesetz fordert vom Verbraucher, den kaputten Akkuschrauber – kostenlos – an einer Sammelstelle abzugeben. Dort wird er fachgerecht entsorgt. Doch vielen ist der Weg offenbar zu weit.

Neue Wertstofftonne ab 2015
Bis zum Jahr 2015 soll flächendeckend in Deutschlands Höfen eine neue Wertstofftonne stehen. Verbraucher sollen darin Abfälle aus Metall und Plastik entsorgen. Doch ausgerechnet Elektroschrott soll voraussichtlich nicht hineindürfen. Das Umweltbundesamt befürchtet, das würde das Recycling eher erschweren. Endgültig entschieden wird im nächsten Jahr. Es geht um ein Milliardengeschäft. Ressourcen werden weltweit knapper, Rohstoffpreise steigen.

Rund 155 000 Tonnen Elektroschrott werden laut Umweltbundesamt jedes Jahr illegal ins Ausland verschoben. Auf Flohmärkten gekauft oder vom Sperrmüll geklaut, deklarieren dubiose Händler ganze Container ausrangierter Kühlschränke, Fernseher und Computer als Gebrauchtware und verschiffen sie nach Asien und Afrika. Nur ein Teil wird weitergenutzt, viele Geräte sind defekt und werden ausgeschlachtet: Arbeiter, oft Kinder, zertrümmern den Schrott mit Hämmern und Äxten, fackeln Kunststoffgehäuse und Kabel unter freiem Himmel ab, um an die wertvollen Metalle zu kommen. Sie stehen dabei stundenlang im beißenden Rauch, atmen giftige Dämpfe und Stäube ein, viele werden krank. Boden, Luft, Wasser sind verseucht.

Viel Handarbeit beim Zerlegen

Ein Mitarbeiter der Firma Elpro Elektronik-Produkt Recycling in Braunschweig zerlegt einen Röhrenfernseher. Metalle, Kunststoffe und Glas sortiert er aus.

Auch in Deutschland muss Elektroschrott zerlegt werden, um an das begehrte Recyclingmaterial zu kommen. Auch hierzulande geschieht das vielerorts per Hand, allerdings wird auf Umwelt- und Gesundheitsschutz Wert gelegt, zum Beispiel bei der Firma Elpro Elektronik-Produkt Recycling in Braunschweig (siehe Foto). Vorteile der Handarbeit: Problemstoffe wie schwermetallhaltige Akkus lassen sich leichter herausfischen, ebenso wertvolle Teile wie Stecker und Platinen, in denen die begehrten Edelmetalle stecken. Außerdem ist es so möglich, noch funktionsfähige Geräte auszusortieren und wiederzuverwenden. Andernorts werden Altgeräte aber auch im Ganzen geschreddert.

Metallabscheider und Kamerasensoren trennen den Schrott dann maschinell in die einzelnen Metall-, Kunststoff und Glasfraktionen.

Hochgiftiges Quecksilber auffangen

Je nach Schadstofffracht der Altgeräte sind mitunter spezielle Anlagen erforderlich. Kühlmittel und Isolierschäume alter Kühlschränke zum Beispiel enthalten ozonschädigendes FCKW, Energiesparlampen und Flachbildfernseher hochgiftiges Quecksilber. Solche Problemstoffe müssen aufgefangen werden, um sie umweltverträglich zu entsorgen oder zu recyceln.

Je sortenreiner eine Müllfraktion ist, desto besser fürs Recycling. Beim Kunststoff ist das schwierig, weil Elektroschrott viele verschiedene Plastiksorten enthält, die sich kaum sortieren lassen. Unsortierter Plastikmüll wird teilweise zermahlen und als Füllstoff zur Fertigung neuer Kunststoffprodukte verwendet. Meistens aber wird er als Ersatzbrennstoff in Kraftwerken und Industriestätten verfeuert, um Strom zu gewinnen, etwa in der sehr energieintensiven Zementindustrie. Unter ökologischen Gesichtspunkten ist die „thermische Verwertung“ bei Fachleuten sehr umstritten.

Hochreines Granulat aus CDs
Die „stoffliche Verwertung“ von Kunststoff erscheint vielen Experten sinnvoller. Das geht aber nur bei gut sortiertem Plastikmüll. Recht leicht ist das zum Beispiel bei CDs und DVDs. Die bestehen vor allem aus Polykarbonat. Werden sie getrennt gesammelt, lassen sie sich feinmahlen, einschmelzen und zu hochreinem Granulat verarbeiten. Daraus können neue Produkte aus Polykarbonat gefertigt werden. Auch Polyethylen lässt sich so recyceln. Die Qualität des recycelten Polyethylens wird allerdings mit jedem Mal schlechter.

Der größte Kupferrecycler der Welt

Acht Kilogramm Elektroschrott bringt statistisch gesehen jeder Deutsche im Jahr zum Recyclinghof. Stecker, Kabel und Platinen enthalten Edelmetalle wie Gold, Silber und Kupfer. Sie werden eingeschmolzen und zurückgewonnen. Aus
Aluminiumschrott wird wieder Aluminium gefertigt. Das spart gegenüber der Gewinnung aus Erz 95 Prozent an Energie.

Alte Röhrenmonitore enthalten vor allem große Mengen an Kupfer in der Bildröhre, aber auch Gold und Silber in den Platinen. Aus dem Glas können neue Bildschirme gefertigt werden. Das Plastik der Gehäuse wird meist in Kraftwerken verfeuert, um Strom zu gewinnen.

Geld verdienen Recyclingbetriebe wie Elpro vor allem mit metallhaltigem Schrott. Platinen, Kabel und Stecker verkaufen sie zum Beispiel an die Kupferhütte Aurubis in Hamburg, den größten Kupferrecycler der Welt. Aurubis gewinnt neben Kupfer unter anderem Gold, Silber, Zinn, Blei, Zink und Nickel zurück. Er schmilzt den Schrott ein und trennt die einzelnen Metalle elektrochemisch voneinander.

Recycelte Metalle helfen nicht nur, Ressourcen und Landschaften zu schonen. Es spart auch enorme Mengen an Energie und damit an Kohlendioxidausstoß, wenn Metalle aus Schrott anstatt aus Erz gewonnen werden – allein weil Bergbau und Transportwege entfallen. Zum Beispiel Kupfer: Das Metall lässt sich zu 100 Prozent recyceln. Die Wiederverwertung erfordert nur halb so viel Energie wie die Gewinnung aus Erz. Bei Stahl sieht es ähnlich aus. Auch Aluminium lässt sich nahezu verlustfrei wiedergewinnen – und spart gegenüber der Herstellung aus Bauxit-Erz sogar 95 Prozent Energie. Das ist nicht nur ökologisch vorteilhaft, sondern auch wirtschaftlich. Kein Wunder, dass in Deutschland mittlerweile mehr Stahl, Kupfer und Aluminium aus Schrott denn aus Erz gewonnen wird.

„Gewürzmetalle“ haben sich verteuert

Ohne Kupfer und Stahl läuft in einer Industriegesellschaft gar nichts. Recyceln ist daher mittlerweile Routine. Doch viele Metalle im Elektroschrott werden bisher nicht wiedergewonnen, allen voran die Seltenen Erden wie Neodym, Yttrium und Lanthan oder andere rare Metalle wie Indium. Ohne diese Stoffe würde kaum ein Hightechgerät der Informations- und Kommunikationstechnologie funktionieren. So werden zum Beispiel Smartphones erst durch Indium im Display smart und Energiesparlampen leuchten nur, wenn Yttrium drin ist.

Diese Metalle stecken oft nur in Spuren in einem Produkt. Das bescherte ihnen die Bezeichnung „Gewürzmetalle“. Ihr Recycling ist aufwendig und noch unwirtschaftlich. Das könnte sich ändern. Seltene Erden haben sich im vergangenen Jahr teilweise um bis zu 1 000 Prozent verteuert. Die Preise für Energiesparlampen sollen daher um 20 bis 25 Prozent steigen, wie verschiedene Anbieter angekündigt haben. Auch Haushaltsgeräte könnten teurer werden.
Zurzeit liefert China rund 97 Prozent der Seltenen Erden für den Weltmarkt. Die Volksrepublik hat die Ausfuhr zuletzt aber stark eingeschränkt. Bleibt es dabei, könnte sich bald auch das aufwendige Recycling der Gewürzmetalle lohnen.

Probebohrung in alten Mülldeponien
Diskutiert wird sogar, alte Müllhalden wieder aufzugraben. Deponien aus den 1960er und 70er Jahren, als Mülltrennung noch ein Fremdwort war und die Wegwerfgesellschaft in voller Blüte stand, sind randvoll mit Metallen, Glas und Plastikmüll – aber auch voller Giftstoffe, die beim Rückbauaufgefangen werden müssten. Zudem werden Altdeponien heute oft als Naherholungsgebiete genutzt. Dennoch: Die Uni Gießen hat bereits Probebohrungen gemacht.
Im März 2010 fand in Iserlohn der erste Fachkongress „Urban Mining“ statt, also „Bergbau in der Stadt“. Im Fokus standen neben Gold und Kupfer in Schubladen und Abrissgebäuden auch neue Ansätze von nachhaltigem Konsum. Zum Beispiel die Idee, schon beim Produktdesign anzusetzen und Geräte gleich so zu entwerfen und zu konstruieren, dass sich die Wertstoffe später leicht zurückgewinnen lassen. Fachleute nennen das „Cradle to Cradle“, ein Produktkreislauf von der „Wiege zur Wiege“.

Irgendwer muss anfangen

Ein ewiger Kreislauf der Rohstoffe ist bei dem steten Wachstum der Industrie- und Schwellenländer allerdings nicht zu realisieren. Zurzeit werden weltweit viel mehr Rohstoffe benötigt als recycelt werden können. Und so stimmt es zwar, dass das Verwerten von Abfall Ressourcen schont und Kohlendioxid einspart. Der globale Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen steigt trotzdem immer weiter, laut Internationaler Energieagentur inzwischen sogar schneller als je zuvor – allein 2010 um 1,6 Milliarden Tonnen auf das neue Rekordhoch von 30,6 Milliarden Tonnen.

Fazit: Irgendwer muss anfangen zu sparen, um die Erderwärmung noch zu verlangsamen. Recycling ist ein Schritt in die richtige Richtung. Besser wäre es aber, Müll zu vermeiden. Das kann bedeuten, weniger zu kaufen. Oder aber auch, Geräte länger zu benutzen. Wer immer das neueste Handy haben will, sollte versuchen, sein altes zumindest weiterzugeben – auch das ist ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz.

Shares 0

No Comments Yet.

Leave a comment